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Pressemitteilung: Justiz-Skandal um 14-jährige Anna PDF Drucken
Rechtsanwalt Pajam Rokni-Yazdi aus der bemeroder-kanzlei hat im Namen der Langenhagenerin Linda N. Verfassungsbeschwerde gegen die Entscheidung des Oberlandesgerichts Celle, der 44-jährigen Frau das Sorgerecht für ihre 14-jährige Tochter Anna zu entziehen, eingelegt. Da die Frau das alleinige Umgangsrecht für das Mädchen hatte, hat diese Entscheidung zur Folge, dass Anna gegen ihren eigenen Willen und gegen den Willen ihrer Mutter unter die Obhut des Staates gestellt und am 21. Oktober in eine der Mutter nicht bekannte Wohngruppe von Jugendlichen gebracht worden ist. Anna wurde, ohne dass ihre Mutter davon informiert worden ist, von Mitarbeitern des Jugendamtes aus der Klasse im Unterricht herausgeholt und an einen unbekannten Ort gebracht. Nun kann die 14-Jährige, die auf dem besten Weg zum Abitur war, nicht mehr das Gymnasium in Langenhagen besuchen und wurde ihrem sozialen Umfeld entrissen. Mit dieser Entscheidung werden die Grundrechte der Mutter auf Pflege und Erziehung ihres Kindes verletzt. Das alles hat der Rechtsanwalt in Beisein der Mutter, deren Eltern und PR-Berater Jens Hauschke von hannover.contex, der das Gespräch geführt und organisiert hat, am Montag in Hannover der Presse mitgeteilt.

 

„Die Sorgfaltspflicht, die Gerichte bei einer derartigen Entscheidung an den Tag legen müssen, wurde eklatant missachtet“, sagt der Anwalt – das Gutachten, auf welches das Gericht seine Entscheidung im Wesentlichen gestützt habe, sei unvollständig und enthielte zum Teil Unwahrheiten. Andere Gutachter seien nicht zu Wort gekommen, bzw. deren Berichte wurden übergangen. Mutter und Tochter seien kaum gehört, beziehungsweise nicht ernst genommen worden. Aussagen, die Anna gemacht habe, wurden übergangen. Nur ein Beispiel: Anna hat in einer Anhörung folgendes ausgesagt: „Ich bin am besten bei meiner Mutter aufgehoben, die mich liebt und sich um mich kümmert, und nicht bei Leuten, die mir immer wieder sagen, ich würde lügen. Es würde etwas bringen, mir zuzuhören und mir zu vertrauen. Das wäre für meine Entwicklung gut – und nicht, mich aus meinem vertrauten Umfeld zu nehmen. Das würde meine Wut auf Richter und das Jugendamt nur noch verstärken.“

Vorgeworfen werden der Mutter und Anna, dass sie in einer symbiotischen Verstrickung leben würden, die es Anna kaum möglich mache sich eigenständig zu entwickeln. Bemerkenswert findet der Anwalt dabei, dass weder Lehrer, Angehörige, Freunde oder sonstige Person aus dem Umfeld der Familie zur tatsächlichen Situation befragt worden seien. Dabei hatten sich insbesondere die Lehrer sehr positiv über Anna geäußert. Sie habe sich beispielsweise eigenständig für ein Stipendium im Ausland beworben.

Die äußeren Umstände wären für die Aufklärung des Falls aber wichtig gewesen und hätten ein anderes Bild ergeben. Die Menschen, die Anna kennen sind nicht zu Wort gekommen. Die gerichtliche Gutachterin selbst hat Anna nur für eine Stunde bei Mövenpick getroffen. Der Anwalt hält es für fragwürdig, dass man auf dieser Basis zu der Einschätzung kommen kann, der Mutter das Sorgerecht zu entziehen. Gerade wenn eine Klinik nach sechs Wochen stationärer Behandlung zu einer anderen Einschätzung gelangt.

Ins Laufen gebracht hat die Geschichte die Mutter der 14-Jährigen im Prinzip selber – schlichtweg weil sie sich an das gehalten hat, was die Ärzte ihr geraten haben. Hätte sie nichts gemacht, wäre Anna heute noch bei ihr. Die 44-jährige, die vom Kindesvater seit vielen Jahren getrennt lebt und seit 2010 keinen persönlichen Kontakt mehr mit ihm hat, war mit ihrer Tochter im Sommer 2010 auf einer Mutter-Kind-Kur. Da wurde ihr von der dortigen Psychologin geraten, eine ambulante psychologische Betreuung für das Kind zu suchen, da Anna unter einer Problematik im Zusammenhang mit ihrem Vater leiden würde.

Die Mutter leistete der Empfehlung Folge und meldete ihre Tochter bei einer Kinderpsychologin an. Im weiteren Verlauf äußerte Anna im Rahmen einer Untersuchung beim Kinderarzt Suizidgedanken. Da die Mutter natürlich in Sorge war, entschied sie sich, Anna in der Kinderklinik auf der Bult stationär unterzubringen. Anna blieb dort für zwei Monate. Da die Mutter mit dem Vorgehen der Ärzte nicht ganz einverstanden war, wollte sie die Meinung einer zweiten Jugendklinik einholen – was die Ärzte auf Bult nachhaltig verärgert haben soll. Nachdem nach zwei Monaten Behandlung noch nicht festgestellt worden war, ob Anna Probleme hat – und wenn ja, welcher Art - hat ihre Mutter die Behandlung abgebrochen.

Der Vater, der zwischenzeitlich aufgrund einer Entscheidung des Amtsgerichts Hannover sein Umgangsrecht verloren hatte, aber noch Inhaber des gemeinsamen Sorgerechts war, stellte daraufhin beim Amtsgericht den Antrag, der Mutter das Sorgerecht zu entziehen. Er behauptete, die Mutter würde dem Kind die notwendige stationäre Behandlung verweigern. Mittlerweile war auch das Jugendamt Langenhagen eingeschaltet worden.

Das Jugendamt kam nach dem Studium der Akte zu dem Ergebnis, dass die enge Nähe von Anna und ihrer Mutter dem Kind in seiner Entwicklung nicht gut tun würde. Was auch die Klinik auf der Bult vorgeschlagen hatte sollte umgesetzt werden. Mutter und Tochter sollten für eine Zeit räumlich getrennt werden. Das Jugendamt kam zu dieser Einschätzung, obwohl nur eine Mitarbeiterin Anna zwei Mal jeweils nur für eine halbe Stunde gesehen hat. Die Kindesmutter, die anderer Auffassung war, ließ sie sich auf diese Forderung ein. In Absprache mit dem beim Amtsgericht zuständigen Richter wurde Anna in den Sommerferien 2012 – damit sie keine Schultage verpasst – in eine Klinik nach Berchtesgaden geschickt. Beide hielten die Vorgaben ein, es gab keinen Kontakt zwischen Mutter und Tochter. Alles schien gut – zumal die Gutachter aus Berchtesgaden nach dem Aufenthalt urteilten, dass es Anna gut gehe und sie zur weiteren Stärkung ihre ambulante Therapie fortsetzen sollte.

Die Mutter ging davon aus, dass der Spuk nun vorbei sei. Aber weit gefehlt, das Jugendamt und der Vater waren gänzlich anderer Auffassung und verlangten ein gerichtliches Gutachten und damit nahm das Drama seinen Lauf. Anna wurde etwa eine Stunde nachdem das OLG Celle dem Anwalt den Beschluss per Fax übersandt hat von drei Mitarbeitern des Jugendamtes Langenhagen abgeholt und an einen unbekannten Ort gebracht. „Das Jugendamt hat sich geweigert, meiner Mandantin den Aufenthaltsort zu nennen. Erst nach einigen Tagen durften Mutter und Tochter miteinander telefonieren. Das Gespräch würde auf beiden Seiten abgehört. Am Geburtstag der Mutter Anfang November durfte Anna nicht mit der Mutter telefonieren. Anwalt und Mutter sind erschüttert über das Vorgehen des Jugendamtes. Das Jugendamt nimmt grundsätzlich eine herausragende Rolle in unserem Staat ein, aber was in diesem Fall passiert ist unfassbar“, findet der Anwalt. Am vergangenen Wochenende gab es ein Einsehen und ein erstes begleitetes Treffen zwischen Anna und ihrer Mutter. Anna berichtete dabei, dass die Einrichtung in der sie sich befinde, die Sache wohl auch anders sehe als das Jugendamt und sich fragen würde, warum Anna dort sei. Nächste Woche hat Anna Geburtstag, sie wird 15. Ihre Mutter darf zum Kaffee kommen. Annas Freunde auch, aber Annas Mutter darf die Jugendlichen nicht zu dem 60 Kilometer von Langenhagen entfernten Ort mitnehmen. Eine Auflage des Jugendamtes.

Die letzten Hoffnungen der Mutter ruhen nun auf dem Bundesverfassungsgericht.

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hallo_niedersachsen/media/hallonds18951.html