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Säureopfer Vanessa Münstermann zieht eine erste Bilanz PDF Drucken


Ihr Gesicht ist seit einem Säure-Angriff entstellt, jetzt hilft Vanessa Münstermann Menschen in ähnlicher Lage: Ein halbes Jahr nach der Gründung ihres Vereins „AusGezeichnet“ hätten sich viele Betroffene gemeldet, auch aus Indien und Brasilien, sagte die 28-Jährige bei einer von hannover.contex 4.0 in den Räumen der Design Agenten organisierten Pressekonferenz in Hannover. Der Austausch mit ihnen gebe ihr Kraft und helfe, das Geschehene zu verarbeiten. Die Säure-Attacke ihres Ex-Freundes im Februar 2016 zerstörte das linke Auge und linke Ohr der jungen Frau. Gesicht, Hals und Dekolleté sind von Narben übersät.

Ihr Verein unterstützt Opfer mit Tipps, aber auch mit Spenden von Cremes, Spezialbädern sowie Kompressionskleidung gegen die Narbenbildung. Die 28-Jährige dankte den Ärzten und dem Pflegepersonal, die sie unter anderem in der Medizinischen Hochschule Hannover behandelt haben. „Wenn man nicht das Glück hat, in Deutschland zu leben, kann man auch noch drei Jahre nach einem solchen Säure-Anschlag sterben“, sagte sie.

Gegen ihren Ex-Freund, der wegen gefährlicher Körperverletzung eine zwölfjährige Haftstrafe absitzt, hat Vanessa Münstermann Anfang der Woche Klage auf Schmerzensgeld und Schadenersatz eingereicht. Ein außergerichtlicher Vergleich mit dem heute 34-Jährigen über die Zahlung einer sechsstelligen Summe war gescheitert. „Die Bedingung der Eltern war, dass ich nicht mehr öffentlich über die Tat sprechen sollte“, sagte Münstermann. Das habe sie als Erpressung empfunden. Sie sei so stark, gerade weil sie nichts verdränge. Vanessa Münstermann wirkt fröhlich und will positiv in die Zukunft blicken. Seit vier Monaten hat sie einen neuen Freund. Gesundheitlich ist sie immer noch sehr beeinträchtigt. Zumindest leide sie nicht mehr so stark unter lähmenden Kopfschmerzen, seit ihr linkes Auge herausgenommen wurde, erzählt sie. Weil das Gewebe hinter dem Auge von der Säure zerstört war, hatte zunächst niemand die Operation vornehmen wollen. Ein Spezialist aus den USA erklärte sich schließlich dazu bereit. Das Verein „AusGezeichnet“ hat 25 Mitglieder.

Die Ratsuchenden müssen weder Mitglied werden noch sich öffentlich zeigen. Seit Februar gingen nach dem Bericht der Schatzmeisterin rund 5000 Euro an Spenden ein, hinzu kommen von Vanessa Münstermann gespendete Fernsehhonorare sowie Einlagen der Mitglieder im Höhe von etwa 10.000 Euro. Die 28-Jährige steht mittlerweile im engen Austausch mit Opfern mit ähnlichem Schicksal. Eine Frau aus der Nähe von Köln sei nach dem Säureanschlag ihres Mannes vor zehn Jahren erblindet und lebe inzwischen glücklich mit einem neuen Partner, erzählte Vanessa: „Sie ist ein Vorbild für mich.“ Die Hannoveranerin traf sich auch mit der Frau, die von ihrem Ex-Mann an ihrem Arbeitsplatz im Jobcenter in Hamburg mit Säure überschüttet wurde. Am zweiten Jahrestag des Anschlags auf sie selbst will Vanessa im Februar 2018 mit ihrem Verein „AusGezeichnet“ Opfer und Helfer nach Hannover einladen.