Start
Diesel-Skandal: Gerichte verurteilen VW zur Rücknahme von Autos PDF Drucken

Interessante Urteile für Autobesitzer, die ihr Fahrzeug auf Kredit gekauft haben: Erstmals haben mit dem Landgericht Arnsberg (Az. I-2 O 45/17) und dem Landgericht Berlin (Aktenzeichen 4 O 150/16) deutsche Gerichte Kfz-Darlehen für widerrufbar eingestuft. Die Käufer können daraufhin ihre Fahrzeuge zurückgeben. Zudem schuldet er nach dem Widerruf der Bank keine Zinsen und Tilgungszahlungen mehr. Ähnliche Urteile dürften folgen. Die beiden Gerichte bestätigten somit das Vorgehen des hannoverschen Anwalts Andreas Schwering, der hunderten gleichbelagerten Fällen bearbeitet und in einigen ebenfalls schon Klage erhoben hat.

„Die Mehrheit der deutsche Autokredite sind fehlerhaft", sagt Schwering, „das Urteil wird auch meinen Mandanten Rückenwind geben." Grund sind formale Fehler in den Darlehensverträgen, die dafür sorgen, dass die normale Widerrufsfrist von 14 Tagen nicht zu laufen beginnt. So fehlen beispielsweise in den Finanzierungen der VW Bank häufig vollständige Angaben zum Vorgehen bei Kündigung. Besonders brisant sind die aktuellen Urteile vor dem Hintergrund des Diesel-Skandals: Denn die von den Herstellern manipulierten Fahrzeuge haben massiv an Wert verloren. So liegen die Restwerte für Diesel in vielen Fällen bis zu einem Drittel unter Vergleichswerten vor der Abgas-Affäre. Die Kunden bleiben auf diesen Verlusten im Normalfall sitzen, da Hersteller wie Volkswagen außer dem Software-Update keinerlei Wiedergutmachung bieten. Sogar Stilllegungsverfügungen durch die Ämter können folgen Das kann sich jedoch ändern, wenn der Kunde das Fahrzeug auf Kredit gekauft oder geleast hat.

Denn über den Widerruf des Kredits bietet sich dem Kunden die Möglichkeit, auch den Kauf des Autos rückgängig zu machen. Kredit und Autokauf gelten als sogenannte verbundene Geschäfte – wird eines von beiden rückabgewickelt, so ist auch der andere Teil des Geschäfts betroffen. Grundsätzlich ist der Widerruf eines Kredits nicht auf Diesel-Fahrzeuge begrenzt. Auch ist es egal, ob mit der Finanzierung ein Neuwagen oder ein gebrauchtes Fahrzeug erworben wurde. Entscheidend ist lediglich, dass ein fehlerhafter Kredit- oder Leasingvertrag verwendet wurde, um das Auto zu erwerben. Die Richtersprüche aus Arnsberg und Berlin sind noch nicht rechtskräftig. Sowohl Volkswagen als auch die Kläger können noch in die Berufung gehen. Gut für die Kunden: Die Kosten eines solchen Rechtsstreits übernimmt in der Regel die Rechtsschutzversicherung.